Chronik

Die nachfolgende kurze Chronik wurde Anlässlich des 75-jährigen Bestehens des Posaunenchores an der Peterskirche in einer kleinen Festschrift veröffentlicht.

Missionar Schäfer, damals Hausvater im Pilgerhaus, gründete im Jahr 1920 den Posaunenchor. Er kaufte bei einem Trödler 2 Trompeten und bezahlte damals einige Millionen dafür. Die ersten Bläser waren Zöglinge des Pilgerhauses. Dazu kamen in der folgenden Zeit auch Angehörige des "Evangelischen Vereins für innere Mission AB". Es waren dies Heinrich Schuch, Ludwig Böbel, Wilhelm Himmel, H. Bär, August Will, A. Pflästerer, Hermann Löffel, Peter Hoch, Georg Nicolay, Arthur Randoll und Schuhmachermeister Lamm. Die Leitung des Chores hatte der damalige Lehrer im Pilgerhaus Herr Chrischbaum.

Im Jahr 1925 ging der Chor, der zuvor dem Badischen Jungmänner- und Jünglingsverein angegliedert war, in den christlichen Verein junger Männer über. Die Chorproben waren zuerst im Pilgerhaus und dann im Saal des AB Vereins, dem Hinterhaus des heutigen Reisebüros Schuhmacher in der Hauptstraße.

In der Zwischenzeit hatte die evangelische Stadtgemeinde das Lokal "Zur Sonne" gekauft und als Jugendhaus eingerichtet. So konnte der Chor dort für lange Jahre unter der Leitung von Herrn Philip Frey seine Proben abhalten.

Jeden Donnerstag abend von 20: 15 bis 22:00 ist Chorprobe im Jugendhaus "Zur Sonne." Die Bläser zur damaligen Zeit sind: Ludwig Böbel, Heinrich Schuch, Georg Rottermann, Georg Nicolay, Karl Himmel, Emil Hofmann, Karl Schneider, Fritz Beutel und Wilhelm Renzland. Alles Angehörige des CVJM!

Der Dienst in der Gemeinde wurde immer gerne getan. Der Chor war wie auch heute noch immer dabei. Jedes Jahr wurde nach der Christmette nicht nur vom Turm der Peterskirche geblasen, sondern auch von der Windeck. Von dort wurde auch an Silvester um 24:00 geblasen. Manchmal sind in der Kälte da oben auch die Instrumente eingefroren, aber immer hat jeder von den damaligen Bläsern gerne mitgeblasen.

Im Mai 1932 konnten die Bläser den Gründer des Chores, Herrn Missionar Schäfer und Gattin bei Familie Böbel begrüßen. Sie kamen nach langjährigem Aufenthalt in Afrika auf Urlaub nach Deutschland. Es war für alle eine große Freude.
Das 3. Reich wirkte sich auch auf die Tätigkeit des Chores aus. Einmal durch die Überführung der evangelischen Jugend in die Hitlerjugend und die damit auferlegten Pflichten, dann durch die Einberufung der einzelnen Bläser in die Wehrmacht. Weihnachten 1939, der 2. Weltkrieg hatte schon begonnen, stehen die Männer des Chores, welche bis jetzt noch nicht zum Wehrdienst einberufen wurden zum letzen Mal auf dem Turm der Peterskirche und blasen mit ihren Trompeten und Posaunen die alten schönen Weihnachtslieder auf die Stadt herunter.
Der unselige Krieg forderte auch vom Chor Opfer. Nach dem Ende des Krieges und Beendigung der Gefangenschaft kamen aber die einzelnen Bläser wieder nach Hause. Auf Betreiben von Ludwig Böbel, Heinrich Brockenauer, Heinrich Schuch und Walter Schneider wurde der Chor wieder ins Leben gerufen. Die Instrumente und Noten wurden gesichtet und in Ordnung gebracht. Und das Alles ohne Geld.

Am 12.5.1946, dem ersten Jugendsonntag nach dem Krieg, konnte der Chor das erste Mal wieder blasen. Die erste Chorprobe mit allen war am 12.6.1946 in der "Sonne".

In den folgenden Monaten kamen auch junge Männer aus der Gemeinde, um das Blasen zu erlernen. Der Chor wurde wieder stark, allerdings noch ohne Chorleiter.

Es gelang Ludwig Böbel, den Leiter der Feuerwehrkapelle Herrn Peter Hesse als Dirigent zu gewinnen. Nun kam aber die Frage des Geldes. Reparaturen der Instrumente, Anschaffung von Noten, alles kostete Geld. Die Posaunenchöre seien kein "Organ der Badischen Landeskirche" wurde den damaligen Bläsern erklärt, so dass es auch keine finanzielle Unterstützung gäbe.

Hier ein Beispiel, wie der Chor dann doch zu Geld kam: Mit der Einführung des vorigen Gesangbuchs 1950 war der Chor gezwungen neue Choralbücher zu kaufen, wollte er die Gemeinde begleiten. Geld war keines vorhanden. Hier hat Ludwig Böbel geholfen: Die Tore und das Geländer der Peterskirche mussten einer dringenden Reparatur unterzogen werden. Ludwig Böbel erhielt von der Firma Freudenberg die Genehmigung, mit den Handwerkern aus dem Chor diese in der Hauptwerkstatt zu reparieren. So machten sich Arthur Randoll, Wilfried Böbel, Hans Lehr, Walter Schneider und Ludwig Böbel an die Arbeit.

Die Peterskirche bekam so ihre Reparatur und der Chor bekam das Geld von der Kirchengemeinde, um die neuen Choralbücher zu kaufen.

Im Oktober und November 1947, verspätet durch den Krieg, feierte der Chor sein 25-jähriges Jubiläum mit einem Festgottesdienst am 26.10.47 und einem geselligen Beisammensein bei Kaffee und Kuchen am 2.11.47 in der "Sonne".
Folgende Bemerkung eines Bewohners eines Nachbarhauses der "Sonne", führte im Jahr 1948 zum Umzug in die Peterskirche: "Wir gehen Donnerstags abends immer aus, denn da blasen immer die vom Posaunenchor und das ist meist recht laut und manchmal ist es auch falsch.

Im Frühjahr 1956 gab Herr Hesse die Leitung des Chores ab, die er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr machen konnte. Der damalige Obmann Georg Nicolay, bat nun Herrn Vikar Schäfer den Chor zu übernehmen. Dieser übte das Amt des Chorleiters jedoch nur vier Monate aus, dann wurde er nach Waldwimmersbach versetzt. Die folgenden zwei Jahre war Herr Herbert Neumann Chorleiter bis ab dem 7.10.1958 der vom Kirchenbezirk hauptamtlich bestellte Kantor Carl den Chor leitete. Nachdem er im Jahr 1961 Weinheim verließ, übernahm Adolf Ehret die Leitung des Chores bis zum Februar 1965. Er übernahm anschließend die Leitung des neu gegründeten Chores in der Markusgemeinde. Im Jahr 1966 wurde der Chor kurzzeitig von Herrn Heinrich Fitzer geleitet, bis Herr Kantor Sauer die ChorJeitung übernahm, nachdem er schon vorher im Chor als Bläser mitgewirkt hatte. Einige Bläser fühlten sich daraufhin nicht mehr so richtig aufgehoben und trafen sich fortan in der Stadtkirche um unter sich Musik zu machen. Aus diesen Treffen wurde der Posaunenchor der Stadtkirche.
Im Jahr 1970 findet die Feier zum 50-jährigen Jubiläum des Posaunenchores statt. Organisatorisch leistet der bis 1982 als Chorobmann tätige Helmut Hartmann einen großen Beitrag. Um sich entsprechend dem Anlass zu präsentieren wird in diesem Jahr zeitweilig sogar zweimal pro Woche geprobt. Zum ersten Mal spielt der Posaunenchor in diesem Jahr auch nicht von der Orgelempore sondern ist um den Altar gruppiert.

1976 erkrankt Herr Sauer, es ist ihm nicht mehr möglich den Chor zu leiten. In die Bresche springt Herr Martin Lehr, der Sohn unseres "langjährigsten" Bläsers. Herr Sauer verstirbt am 3.7.77 nach schwerer Krankheit. Als Nachfolger für Herrn Sauer fällt die Wahl auf Herrn Kreutz, dessen Einführung in die Peterskirche am 2.10.1977 stattfindet. Weiterhin leistet der Chor seinen Dienst bei den verschiedensten Gelegenheiten in Petrus- und Paulusgemeinde aber auch bei Nachbargemeinden oder sonstigen Anlässen.

Einer dieser sonstigen Anlässe ist z.B. der 70, Geburtstag von Herrn Gölz, dem Wirt des goldenen Löwen - auch "Schlappe- Wirt" genannt - am 27.12.1985. Der Schlappe war für einige Jahre regelmäßige AnlaufsteIle nach den Chorproben, so dass hieraus eine herzliche Verbindung erwuchs. Ein weiterer Anlass der wahrscheinlich einmalig sein dürfte war auch das Spielen anläßlich des 24h-Schwimmens der TSG 1862 im Hallenbad.

Am 10. Juli 1988 feierte der Chor mit seinem heutigen Obmann Werner Erdmann dessen 25-jähriges Bläserjubiläum. Nachdem im November 1989 die Mauer zwischen den beiden Deutschlands fiel, war es dann für unseren Posaunenchor, am 31.5 bzw. 1.6.91 soweit, bei dem Besuch und den verschiedenen Missionsblasen der Partnergemeinde in Dedelow die neue Gemeinsamkeit zu bekräftigen.

Am 16.3.1994 hatte der Posaunenchor, dann die traurige Pflicht zur Beerdigung des letzten Gründungsmitgliedes Herrn Heinrich Schuch, der im Alter von 88 Jahren stirbt, zu spielen. Das Jahr 1996 wird das Jahr des 50-jährigen Bläserjubiläums von Herrn Hans Lehr und 1997 das Jahr des 75-jährigen Jubiläums unseres Posaunenchores.
Es dürfte dem aufmerksamen Leser nicht entgangen sein, dass die Zeitrechnung unseres Posaunenchores gewisse Sprünge aufweist, die jedoch vor dem Hintergrund des eigentlichen Zweckes der Posaunenchorarbeit an Bedeutung verlieren. So wollen wir für die Zukunft hoffen, dass der Posaunenchor weiterhin zur Ehre des Herrn und zur Freude aller blasen kann.

Quelle: Festschrift 75 Jahre Posaunenchor an der Peterskirche (1997)